Twitter-Kontrolle mit Kierkegaard verstehen

[ Sat. Apr. 10. 2010 ]

Evgeny Morozov und Clay Shirky haben sich in Prospekt Anfang Januar einen kleinen Schlagabtausch über die  Bedeutung von Twitter für die iranische Protestbewegungen geliefert. Morozov hielt dabei soziale Netzwerke, wie Twitter und Facebook, vor allem auch für Ansatzpunkte der Kontrolle durch das Regime. Clay Shirkyerwiderte damals: “Even taking into account the increased availability of surveillance, the net value of social media has shifted the balance of power in the direction of Iran’s citizens.”

Die F.A.S. crosspostet heute nun ein Gespräch zwischen Morozov und Shirky für Edge.org(dort noch nicht online) unter dem Titel “Das Unbehagen an der digitalen Macht”. Beachtlich ist unter anderem, wie Morozov hier Søren Kierkegaard, Jürgen Habermas und Twitter verschraubt:

Wenn Sie Kierkegaard gelesen haben, werden Ihnen einige subtile kierkegaardsche Untertöne in meiner Kritik des Twitter-Aktivismus aufgefallen sein. Kierkegaard lebte genau in der Zeit, die Habermas so preist: Cafés und Zeitungen waren in ganz Europa auf dem Vormarsch, eine neue demokratische Öffentlichkeit bildete sich heraus. Kierkegaard aber machte es zunehmend Sorgen, dass immer mehr Meinungen im Umlauf waren, dass es allzu leicht war, Menschen für beliebige Anliegen zusammenzutrommeln, dass niemand sich irgendeiner Sache tief verpflichtet fühlte. Es gab nichts, wofür Menschen zu sterben bereit waren. Ironischerweise ist das auch eines meiner Probleme mit dem wahllosen Charakter des digitalen Aktivismus: Er würdigt unser Engagement für politische und gesellschaftliche Themen, die wirklich wichtig sind und permanente Aufopferung verlangen, herab.

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